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Orchester heizen zusätzlich ein

Es ist heiß. Sehr heiß. Noch keine 12 Uhr und das Thermometer kratzt schon an den 30 Grad Celsius. Es ist die Zeit, in der man sich entweder in der verdunkelten Wohnung vergräbt oder den Weg ins Schwimmbad antritt. Um sich noch einen Liegeplatz zu sichern, im kühlen Nass zu erfrischen und der sengenden Hitze des Nachmittags entspannt entgegenzutreten.

All das macht Otto Normalverbraucher an diesem heißen Pfingstsonntag. Doch Otto Normalverbraucher wohnt nicht in Oftersheim. Denn wenn der Oftersheimer Musikverein (MVO) zu seinem Waldfest, einem der größten und schönsten Feste dieser Art in der Metropolregion, lädt, ist jeder sinnvolle Widerstand für Menschen aus nah und fern zwecklos. Denn das Fest ist Tradition und die darf nicht gebrochen werden. Und so kann eine ganze Menschenmasse nicht anders, als die Reise in den Wald an der Hardtwaldsiedlung antreten, wo nach dem morgendlichen Gottesdienst schon Dirigent Andreas Schnell und die Kapelle des MVO darauf warteten, den Gästen ordentlich einzuheizen.

Kraftvoll, dynamisch, aber nie mit der Brechstange gibt das Orchester emotionalen Pop-Klassikern wie "One Moment in Time" ebenso Kontur wie dem eindrucksvollen "Big Spender" oder den "Grüßen aus Österreich". Derjenige, der wissen will, wie moderne, ausgereifte Blasmusik heute aussehen muss, um anzukommen, der musste sich nur bei einem Steakbrötchen und einem kühlen Getränk auf eine schattige Bank setzen und wusste Bescheid. Ein Vergnügen, das sich Werner und Erna Skowron schon seit über 40 Jahren zum Prinzip gemacht haben. Das Ehepaar aus Oftersheim ist mit Tochter Ingrid aufs Fest gekommen und fühlt sich einfach pudelwohl. "Auch wenn unser Sohn jetzt nicht mehr in der Kapelle spielt, an Pfingsten hier herzukommen, gehört für uns einfach dazu" erzählt Werner Skowron und schenkt uns ein Lächeln.

Auch Anneliese Herm, die an diesem Tag den Weg mit Brunhilde Edelmann und Hildegard Müller zum Fest gefunden hat, findet nicht den Hauch eines Grundes zur Beschwerde. Schon seit sie Kind ist, kommt die 82-Jährige zum Waldfest und das gewiss nicht von ungefähr. "Hier stimmt einfach alles - die Atmosphäre ist schön, man trifft Menschen aus der Nachbarschaft, dazu die tollen Kapellen und das Essen ist auch gut. Was will ich mehr?" Wenn das mal keine klare Ansage ist.

Doch dafür, dass auch in diesem Jahr alles läuft, hatte ein Team aus Vereinsmitgliedern und weiteren ehrenamtlichen Helfern schon Tage des Aufbaus und Wochen der Planung hinter sich gebracht. "Also die Kapellen habe ich schon an Weihnachten verpflichtet" lässt uns die Vorsitzende des Musikvereins, Hedwig Gutzki wissen und fügt noch hinzu: "Wenn man die Gäste haben möchte, die einem am Herzen liegen, muss man eben früh dran sein." Es ist nur ein kleiner Satz, doch er sagt so viel aus über die Vorsitzende, die seit stolzen 12 Jahren für das Gelingen der größten Veranstaltung des Vereins verantwortlich zeichnet. Denn er zeigt: Professionalität und Herzlichkeit gehen zusammen -wenn man es nur will.

Obwohl an den Grillstationen wohl Sauna-Temperaturen herrschen dürften, die Jugend sich am Crêpe-Stand fleißig die Schweißerlen von der Stirn tupfen muss und auch die Helfer am Ausschank sicherlich selbst ab und an gut eine Abkühlung aus dem Zapfhahn gebrauchen könnten: Es wird mit wahrer Freude gebrutzelt, gezapft und gebacken. Das ist durchaus nicht selbstverständlich und dennoch wohl jenes wohlschmeckende Rezept, das dem MVO seinen Erfolg beschert. Und so darf das Waldfest für jeden Einzelnen zum Fest der Sinne werden. Ja selbst die gastierenden Orchester aus Walldorf, Plankstadt, Reilingen, Dilsberg und Sandhausen sind von der wunderbar idyllischen Atmosphäre ganz beeindruckt und könnten sich eine schönere Kulisse wohl kaum wünschen.

Denn dort, wo am hitzigen Sonntag noch der eine oder andere Tisch frei geblieben war, suchte man am "klassischen Waldfesttag", dem Montag, vergeblich nach auch nur einem übrigen Zentimeter auf den Bierbänken. Und während das Auge diesen Eindruck noch kurz staunend zur Kenntnis nimmt, fallen dem Gast die Worte von Hedwig Gutzki wieder ein, die auf die Frage, ob das Waldfest für sie mehr Freude oder Anstrengung sei, antwortete: "Ach, wissen Sie - wenn alles klappt, dann bin ich glücklich."

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 10.06.2014

 

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